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music records100 Jahre Wagner-Festspiele
 
Halten sich stark zurück. Es stellt sich nun die Frage, warum? Etwa wegen der NS-Vergangenheit?
 
2011 überschlägt sich Bayreuth mit Jubiläen. Richard Wagners Schwiegervater Franz Liszt, der auch auf dem Bayreuther Stadtfriedhof begraben ist, 200 Jahre alt. Zudem werden die Wagner-Festspiele seit 1876 zum 100. Mal veranstaltet. Denn zwischendurch gab es immer entweder aus ökonomischen oder aus politischen Gründen Unterbrechungen. Auch das Neu-Bayreuth feiert sein 60-jähriges Jubiläum – die Wiedergeburt der Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg. 1951 revolutionierte Wieland Wagner als Regisseur die Festspiele, indem er alles von der Bühne räumte und sie von allen ideologischen Fußfesseln befreite.
 
Bayreuth wird mit all diesen Festen quasi zu einer Weltstadt auf Zeit. “Lust auf Liszt” heißt die Veranstaltungsreihe, die mit 150 Veranstaltungen über das Jahr verteilt in der Stadt stattfinden wird. Der Nachteil: Keine Veranstaltung findet außerhalb Bayreuths statt.
 
Bei den Nachkömmlingen in der Wagner-Familie ist daher auch ein Streit entfacht. Während die Chefin des Weimarer Kunstfestes Pelerinages, Nike, eine Wieland-Tochter, das wie folgt kommentiert: “Die Bringschuld der Wagners Liszt gegenüber ist gewaltig.” Daher hätte sie eine Schuldentilgung mit einer Geste wie ein Geburtstagskonzert am 22. Oktober im Festspielhaus erwartet. Ihre Cousinen sehen das Ganze anders. Die Festspielleiterinnen Eva und Katharina sagen, dass die Satzung es nicht zulasse auf dem Wagner-Hügel Musik eines anderen Komponisten zu spielen. Außerdem soll es im Oktober für die Örtlichkeit zu kalt sein. Dem widerspricht allerdings die Tatsache, dass bei der Trauerfeier für Wolfgang Wagner am 11. April 2010 Musik unter anderem auch von Meldessohn gespielt worden ist. Bei Franz Liszt soll das aber nicht möglich sein?
 
Katharina und Eva Wagner beauftragten im Jahr 2009 eine Historikerkommission, die NS-Zeit auf dem Grünen Hügel zu erforschen und fragten Familienmitglieder nach Akten und Dokumente aus der Vergangenheit.Man kann nur hoffe, dass sich diese noch im Familienbesitz befinden und nicht schon bei den Kleinanzeigen verkauft worden sind.